Briefmarken-Katalog-Ratgeber: Scott-, SG- & Michel-Nummern verstehen

Briefmarken Kataloge Nachschlagewerk Aktualisiert Mrz. 2026
Katalog der Koeniglichen Philatelistischen Sammlung, 1952
Foto von Philafrenzy. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.

Briefmarkenkataloge bilden das Rueckgrat der Philatelie. Sie weisen jeder Briefmarkenausgabe eine eindeutige Kennnummer zu, listen Varianten auf, geben Preisorientierungen und etablieren das gemeinsame Vokabular, das Sammler und Haendler weltweit verwenden. Die Existenz mehrerer Katalogsysteme kann jedoch fuer Einsteiger verwirrend sein. Dieser Ratgeber erklaert, wie die wichtigsten Kataloge funktionieren, wie man ihre Eintraege liest und wie man zwischen ihnen abgleicht.

Die wichtigsten Katalogsysteme

Vier Katalogverlage dominieren die philatelistische Welt. Jeder hat einen geografischen Schwerpunkt und eine leicht unterschiedliche Nummerierungsphilosophie:

KatalogVerlagPrimaere AbdeckungNummernpraefix
ScottAmos Media (USA)Vereinigte Staaten und weltweitSc# oder nur die Nummer
Stanley Gibbons (SG)Stanley Gibbons Ltd (UK)Britisches Commonwealth und weltweitSG#
MichelSchwaneberger Verlag (Deutschland)Deutschland, Europa und weltweitMi# oder MiNr.
Yvert et TellierYvert et Tellier (Frankreich)Frankreich, franzoesische Kolonien und weltweitY&T# oder Yv#

Weitere bedeutende Kataloge sind Unitrade fuer Kanada, Sassone fuer Italien, Edifil fuer Spanien, JSCA (ehemals JSDA) fuer Japan und Zumstein fuer die Schweiz. Jeder verwendet sein eigenes Nummerierungssystem, was beim internationalen Handel eine weitere Verwirrungsebene hinzufuegt.

Wie Katalognummern funktionieren

Jeder Katalog vergibt Nummern chronologisch innerhalb der Briefmarkenausgaben eines Landes. Die erste von einem Land ausgegebene Briefmarke traegt in der Regel die Nummer 1. Nachfolgende Ausgaben folgen in der Reihenfolge der Veroeffentlichung. Wenn Varianten desselben Designs existieren (unterschiedliche Zaehnungen, Wasserzeichen oder Farben), erhalten sie Buchstabensuffixe oder Unternummern.

Zum Beispiel traegt die erste Briefmarke der Welt — die Penny Black aus Grossbritannien, ausgegeben am 1. Mai 1840 — folgende Nummern:

  • Scott #1
  • SG #1 (einer der seltenen Faelle, in denen die Nummern uebereinstimmen)
  • Michel #1
  • Yvert #1

Die Uebereinstimmung weicht jedoch schnell ab. Bei viktorianischen Ausgaben aus den 1880er-Jahren koennen sich Scott- und SG-Nummern um Dutzende unterscheiden. Bei Briefmarken des 20. Jahrhunderts kann die Differenz Hunderte betragen, da jeder Katalog unterschiedliche Entscheidungen darueber trifft, was eine neue Ausgabe im Vergleich zu einer Variante darstellt.

Einen Katalogeintrag lesen

Ein typischer Katalogeintrag enthaelt die folgenden Informationen, wobei das Format je nach Verlag variiert:

  • Katalognummer — die eindeutige Kennung fuer diesen Briefmarkentyp.
  • Abbildungsreferenz — eine Nummer, die auf eine Designabbildung an anderer Stelle auf der Seite oder im Anhang verweist.
  • Nennwert — der auf der Briefmarke aufgedruckte Nominalwert.
  • Farbbeschreibung — z.B. „tiefblau“, „karminrosa“, „olivgruen“. Die Farbe ist ein wichtiges Kriterium zur Variantenbestimmung.
  • Ausgabedatum — manchmal genau, manchmal nur das Jahr.
  • Zaehnungsmass — angegeben als Anzahl der Zaehnungsloecher pro 2 Zentimeter (z.B. „Z 14“ oder „Z 12½ x 13“).
  • Wasserzeichen — durch eine Wasserzeichennummer referenziert, die an anderer Stelle im Katalog definiert ist.
  • Druckverfahren — Stichtiefdruck, Steindruck, Buchdruck, Rastertiefdruck usw.
  • Werte — Preise fuer postfrisch und gestempelt, manchmal mit separaten Preisen fuer postfrisch ohne Falz.

Zustandsabkuerzungen

Der Briefmarkenzustand wird mit standardisierten Abkuerzungen beschrieben, die in Katalogeintraegen, Haendlerbeschreibungen und Auktionslosen durchgaengig verwendet werden:

AbkuerzungBedeutungBeschreibung
MNHPostfrisch ohne FalzVollstaendige Originalgummierung ohne Spur eines Falzes. Der Premiumzustand fuer Briefmarken nach 1940.
MHPostfrisch mit FalzOriginalgummierung mit sichtbarem Falzrest oder Falzspur. Akzeptabel fuer Briefmarken der klassischen Aera.
MNGPostfrisch ohne GummiUngebraucht, aber die Gummierung wurde entfernt oder war nie vorhanden. Weniger wert als MH.
OGOriginalgummiDie Briefmarke behaelt ihre urspruengliche Klebeschicht, die jedoch gestoert sein oder Falzspuren aufweisen kann.
NGOhne GummiGummierung fehlt, ob durch Waschen, Alterung oder urspruengliche Herstellung.
Gest.Postalisch gestempeltDie Briefmarke wurde entwertet, entweder durch Poststempel oder Federzug. Die Stempelqualitaet beeinflusst den Wert.
CTOGefaelligkeitsstempelungVon der Post entwertet, ohne den Postweg durchlaufen zu haben, oft in ganzen Bogen. In der Regel weniger wert als echt gestempelt.
FDCErsttagsbriefEin Umschlag mit der Briefmarke, die am Tag ihrer Erstausgabe gestempelt wurde.
VFSehr schoenGut zentriert mit gleichmaessigen Raendern; der Standard-Erhaltungsgrad fuer Katalogpreise.
SuperbHervorragendPerfekt zentriert, frische Farben, makelloser Zustand in jeder Hinsicht.
Wichtig: Katalogwerte gehen von Sehr schoen (VF) als Erhaltungsgrad aus. Briefmarken unterhalb von VF werden unter Katalogwert gehandelt; Briefmarken mit Superb- oder Vorzueglich-Erhaltung koennen fuer ein Vielfaches des Katalogwerts gehandelt werden, insbesondere bei klassischen Ausgaben.

Katalogwerte vs. Marktwerte

Eines der haeufigsten Missverstaendnisse unter neuen Sammlern ist, dass der Katalogwert dem Verkaufspreis entspricht. In Wirklichkeit sind Katalogwerte Einzelhandels-Referenzpreise, die als relatives Mass fuer die Seltenheit dienen. Die tatsaechlichen Marktpreise werden beeinflusst durch:

  • Angebot und Nachfrage — beliebte Laender und Themen erzielen Preise nahe oder ueber dem Katalogwert. Weniger gesammelte Gebiete koennen bei 10–30 % des Katalogwerts gehandelt werden.
  • Zustand — wie oben erwaehnt, gehen Katalogwerte von VF aus. Eine schlecht zentrierte oder fehlerhafte Briefmarke wird deutlich unter Katalogwert gehandelt.
  • Verkaufsort — Auktionsergebnisse, Haendlerverkauf, Online-Marktplaetze und Privatverkaeufe ergeben unterschiedliche Preisniveaus.
  • Markttrends — Sammelvorlieben aendern sich im Laufe der Zeit. Chinesische Briefmarken sind in den letzten zwei Jahrzehnten stark im Wert gestiegen; einige europaeische Gebiete haben nachgegeben.
  • Mindestwerte — Kataloge weisen selbst den gewoehnlichsten Briefmarken einen Mindestwert zu (typischerweise 0,25 $ bei Scott). Massensendungsmarken werden pro Stueck fuer weit weniger gehandelt.

Eine Briefmarke nachschlagen

Wenn Sie eine Briefmarke haben und ihre Katalognummer finden muessen, gehen Sie folgendermassen vor:

  1. Land bestimmen — achten Sie auf Laendernamen, Inschriften oder Waehrungsangaben. Verwenden Sie die Inschriftentabellen am Anfang des Scott-Katalogs fuer unbekannte Schriften.
  2. Ungefaehre Epoche bestimmen — Drucktechnik, Designstil und Nennwert koennen den Zeitraum eingrenzen.
  3. Zum entsprechenden Abschnitt blaettern — Kataloge sind alphabetisch nach Land und innerhalb jedes Landes chronologisch geordnet.
  4. Abbildung abgleichen — finden Sie das passende Design unter den Katalogabbildungen.
  5. Details ueberpruefen — kontrollieren Sie Nennwert, Farbe, Zaehnung und Wasserzeichen, um die genaue Katalognummer zu bestaetigen.

Online-Tools koennen diesen Prozess beschleunigen. Die KI-Bestimmung von StampID kann ein Foto mit der richtigen Briefmarke abgleichen und sofort die Scott-, SG- oder Michel-Nummer liefern.

Online-Katalogressourcen

Mehrere Online-Datenbanken ergaenzen gedruckte Kataloge:

  • Colnect — ein umfassender, kostenlos durchsuchbarer weltweiter Katalog mit Abbildungen und Querverweisen zu mehreren Katalogsystemen.
  • StampWorld — kostenloser Zugang zu einer grossen Datenbank weltweiter Briefmarken mit eigener Nummerierung plus Querverweisen.
  • Stanley Gibbons online — durchsuchbarer digitaler Zugang zu SG-Eintraegen (Abonnement fuer vollstaendige Details erforderlich).
  • Michel online — digitale Ausgabe der Michel-Kataloge im Abonnement verfuegbar.
  • Zillions of Stamps — Marktpreis-Datenbank basierend auf tatsaechlichen eBay-Verkaeufen, nuetzlich zur Einschaetzung des wahren Marktwerts im Vergleich zum Katalogwert.

Zwischen Katalogen abgleichen

Da dieselbe Briefmarke in jedem Katalog eine andere Nummer hat, ist der Katalogabgleich beim internationalen Handel eine staendige Notwendigkeit. Ein amerikanischer Sammler, der eine Briefmarke mit ihrer Scott-Nummer anbietet, wird einen europaeischen Kaeufer verwirren, der Michel verwendet. Strategien fuer den Katalogabgleich:

  • Verwenden Sie Colnect oder StampWorld, die fuer jede Briefmarke mehrere Katalognummern auflisten.
  • Fuegen Sie neben der Katalognummer einen Scan oder ein Foto bei, um Verwechslungen zu vermeiden.
  • Geben Sie beim internationalen Verkauf mindestens die Scott- und SG-Nummern an, da dies die beiden am weitesten verbreiteten Systeme in der englischsprachigen Welt sind.
  • Beachten Sie, dass einige Kataloge Ausgaben unterschiedlich aufteilen. Ein Katalog kann einen Satz als einzelne Nummer mit Untervarianten listen, waehrend ein anderer jeder Wertstufe im Satz eine eigene Nummer zuweist.

Warum dieselbe Briefmarke verschiedene Nummern hat

Die Abweichungen resultieren aus den unabhaengigen redaktionellen Entscheidungen jedes Verlags. Wesentliche Gruende sind:

  • Unterschiedliche Anfangsdaten — Scott und SG begannen beide im 19. Jahrhundert mit der Katalogisierung, trafen aber unterschiedliche Entscheidungen darueber, welche Ausgaben aufgenommen werden.
  • Variantenerkennung — ein Katalog kann eine Farbvariante als separaten Eintrag anerkennen, waehrend ein anderer sie mit der Grundmarke zusammenfasst.
  • Chronologische Unstimmigkeiten — wenn zwei Briefmarken zeitnah ausgegeben wurden, koennen Kataloge darueber uneins sein, welche zuerst erschien.
  • Politische Entscheidungen — einige Kataloge schliessen Briefmarken von Gebieten aus, die sie nicht als legitime Postbehoerden anerkennen.
  • Sonderkategorien — Luftpost-, Portomarken, Dienst- und Steuermarken werden in separaten Folgen nummeriert, und jeder Katalog zieht die Grenzen unterschiedlich.
Praktischer Tipp: Waehlen Sie einen primaeren Katalog fuer Ihr Hauptsammelgebiet und lernen Sie dessen Nummerierungssystem gruendlich kennen. Verwenden Sie Abgleichwerkzeuge, wenn Sie mit Sammlern kommunizieren muessen, die ein anderes System nutzen.

Jede Briefmarke sofort nachschlagen

StampID bestimmt Briefmarken anhand von Fotos und liefert Katalogverweise, Zustandsbewertung und geschaetzte Werte. Funktioniert mit Briefmarken aus jedem Land und jeder Epoche.

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