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Roter Merkur (1856) — Österreichs seltenste Zeitungsmarke

Der Rote Merkur (auch Zinnoberroter Merkur) ist eine zinnoberrote österreichische Zeitungsmarke, die 1856 zur Frankatur von Bündeln zu zehn Zeitungen ausgegeben wurde. Da sie auf Schleifen klebte, die abgerissen und weggeworfen wurden, haben nur wenige Stücke überlebt — eine der großen Raritäten der klassischen europäischen Philatelie.

Österreichische Zeitungsmarke Roter Merkur von 1856 in Zinnoberrot, mit dem nach links blickenden Kopf des Gottes Merkur mit Flügelhelm in einem quadratischen Rahmen mit der Aufschrift K.K. ZEITUNGS POST STÄMPEL

Roter Merkur, 1856. Josef Axmann. Public domain, via Wikimedia Commons.

So erkennen Sie einen Roten Merkur

Alle Merkur-Zeitungsmarken teilen ein Markenbild: den nach links blickenden Kopf des Merkur, des römischen Götterboten, mit Flügelhelm in einem quadratischen Rahmen mit der Aufschrift K.K. ZEITUNGS POST STÄMPEL und kleinen Rosetten in den Ecken. Der Entwurf wurde von Josef Axmann gestochen, gedruckt wurden die Marken im Buchdruck in der k.k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien, ungezähnt — echte Stücke wurden also mit der Schere aus dem Bogen geschnitten.

Entscheidend: Auf der Marke ist nirgends ein Nennwert aufgedruckt — allein die Farbe zeigte die Gebühr an. Blau galt für eine einzelne Zeitung, Gelb (ab 1851) und später Zinnoberrot (ab 1856) deckten die 6-Kreuzer-Gebühr für ein Bündel von zehn Zeitungen, Rosa für größere Bündel. Der Rote Merkur wird daher allein an seinem leuchtenden Zinnoberton in Verbindung mit dem üblichen Merkur-Bild erkannt.

Fast jeder Merkur, dem ein Sammler begegnet, ist der häufige blaue. Echte rote Exemplare sind so selten und wertvoll, dass der Markt voller Fälschungen und chemisch umgefärbter blauer Merkure ist. Die Farbe allein genügt nie: Papier, Druckmerkmale und Provenienz müssen geprüft werden, und jeder ernsthafte Kandidat braucht ein Attest eines anerkannten Prüfers für Altösterreich.

Geschichte

Österreich führte die Merkur-Marken am 1. Januar 1851 als die ersten Zeitungsmarken der Welt ein, mit denen Verlage das Porto für Zeitungen an Abonnenten im Voraus entrichten konnten. Der blaue Merkur zu 0,6 Kreuzer frankierte eine einzelne Zeitung und wurde in riesigen Auflagen gedruckt; die höheren Werte dienten adressierten Bündeln an Agenten und Großabonnenten.

Der 6-Kreuzer-Wert für Zehnerbündel erschien 1851 zunächst in Gelb. Die gelbe Farbe erwies sich als unpraktisch — der blasse Ton war schwer zu unterscheiden, und Entwertungen waren kaum sichtbar —, weshalb der Wert 1856 in kräftigem Zinnoberrot neu aufgelegt wurde. Dies ist die Marke, die Sammler den Roten Merkur nennen; sie war nur kurz in Gebrauch, bevor die Merkur-Serie 1858 durch ein neues Markenbild ersetzt wurde.

Die hohen Merkur-Werte wurden auf die Schleife oder Adressbanderole des Bündels geklebt, nicht auf die Zeitungen selbst. Sobald das Bündel den Zeitungshändler erreichte, wurde die Schleife abgerissen und weggeworfen — deshalb hat der blaue Merkur millionenfach überlebt, während der gelbe und der rote Merkur fast vollständig verschwanden.

Seltenheit und Varianten

Vermutlich existieren nur noch wenige Dutzend echte Rote Merkure, überwiegend gebraucht und etliche davon repariert oder mit Mängeln. Ungebrauchte Stücke sind von allergrößter Seltenheit, und Exemplare auf der originalen Schleife zählen zu den Trophäen der österreichischen Philatelie. Der gelbe Merkur von 1851 ist sogar noch seltener; beide gelten gemeinsam als die Schlüsselstücke Altösterreichs.

Spezialisten unterscheiden Drucke auf Hand- und Maschinenpapier sowie Farbnuancen von Rosarot bis tiefem Zinnober. Diese Unterschiede sind für die Prüfung wichtig, denn umgefärbte blaue Marken und regelrechte Fälschungen — manche selbst weit über hundert Jahre alt — machen die Mehrheit der ohne Attest angebotenen „roten“ Merkure aus.

Wer glaubt, einen Roten Merkur gefunden zu haben, sollte ihn weder reinigen noch pressen, sondern ihn im Fundzustand einer anerkannten Prüfstelle für klassisches Österreich vorlegen. Eine Provenienz aus einer alten Sammlung hilft erheblich, da der echte Bestand klein und weitgehend dokumentiert ist.

Geschätzter Wert

Nur als grobe, vorsichtige Schätzung: Echte gebrauchte Rote Merkure wurden je nach Erhaltung etwa von niedrigen fünfstelligen USD-Beträgen für fehlerhafte oder reparierte Stücke bis weit über 100.000 USD für schöne attestierte Exemplare gehandelt; Ausnahmestücke und Marken auf der originalen Schleife liegen darüber. Dies sind grobe, auktionsbasierte Richtwerte, keine Katalogwerte. Bedenken Sie die Grundwahrscheinlichkeit: Fast alle in Sammlungen gefundenen Merkur-Marken sind die häufigen blauen, oft nur zweistellige Dollarbeträge wert, und die meisten rot wirkenden Merkure entpuppen sich als Fälschungen oder Umfärbungen — erst ein Expertenattest macht aus einem Kandidaten eine fünf- oder sechsstellige Rarität.

Schätzung, keine Begutachtung: Wertspannen sind allgemeine Schätzungen, die nur zur Orientierung dienen und keine professionelle Begutachtung darstellen. Konsultieren Sie für Kauf-, Verkaufs- oder Versicherungsentscheidungen einen qualifizierten Experten. Siehe unsere Nutzungsbedingungen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel ist ein Roter Merkur wert?

Als grobe Schätzung haben attestierte echte Exemplare bei Auktionen je nach Erhaltung, Rändern und Provenienz von einigen Zehntausend USD bis weit über 100.000 USD erzielt. Stücke auf der originalen Schleife können noch mehr bringen. Nicht attestierte rote Merkure werden mit hohem Abschlag gehandelt, weil so viele Fälschungen oder umgefärbte blaue Marken sind.

Woran erkenne ich, ob mein Merkur der seltene rote ist?

Prüfen Sie zuerst die Farbe: Der häufige Merkur ist blau, nur die zinnoberrote Version (1856) und die gelbe (1851) sind große Raritäten. Wirkt Ihre Marke tatsächlich zinnoberrot, ist Vorsicht geboten — chemisch umgefärbte blaue Marken und Fälschungen sind weit häufiger als Originale. Vor jeder Wertannahme ist eine Prüfung durch einen anerkannten Altösterreich-Experten unerlässlich.

Warum steht kein Nennwert auf der Marke?

Die Merkur-Zeitungsmarken trugen keinen aufgedruckten Wert. Die Farbe verriet den Postbediensteten die Gebühr: Blau für eine einzelne Zeitung zu 0,6 Kreuzer, Gelb und später Zinnoberrot für die 6-Kreuzer-Gebühr eines Zehnerbündels, Rosa für größere Bündel. Genau diese Farbcodierung macht die seltenen Farben heute so begehrt.

Wofür wurden Zeitungsmarken verwendet?

Sie entrichteten die ermäßigte Postgebühr für den Zeitungsversand im Voraus. Österreich führte sie 1851 als weltweit erste ihrer Art ein. Einzelne Zeitungen erhielten einen blauen Merkur, während Bündel an Zeitungshändler und Großabonnenten mit den höherwertigen gelben, roten oder rosa Merkuren auf der Schleife frankiert wurden.

Wie viele Rote Merkure existieren noch?

Die Schätzungen schwanken, aber im Allgemeinen geht man davon aus, dass nur wenige Dutzend echte Exemplare überlebt haben, überwiegend gebraucht und viele mit Mängeln oder Reparaturen. Die Marken klebten auf Bündelschleifen, die bei Ankunft fast immer vernichtet wurden — deshalb entgingen so wenige dem Papierkorb.